OFFIZIELLER BERICHT ÜBER DIE ENTSTEHUNG DES NACHTAMTS




Das zuständige Bundesamt zur Überwachung und Nutzbarmachung des Amüsier- Verhaltens der Bundesbürger (BuNdAVdB) legt nachfolgenden Bericht der Operation „Kontrollverlsut“ vor. Ziel und Gegenstand der Operation war die Einschätzung der in Schwerin aufgekommenen und in die angrenzenden Bundesländer überzuschwappen drohende Bewegung der „Eulen“. Die Motivation und strukturelle Beschaffenheit der Gruppierung war zu Beginn der Operation gänzlich nebulös und wurde durch jahrelange Beobachtung unter Einschleusung eines V-Mannes klassifziert. Die als „Eulen“ bekannten Individuen werden durch die Dienststelle mit der höchsten Gefahrenstufe „streng verboten“ eingestuft.

 


Zusammenfassende Strukturoffenlegung des Nachtamts und der Eulen

Nach § 22, Ansatz 9mb, Ziffer 1-3 des föderativen Feiergesetzes 

obliegt es der jeweils zuständigen Dienststelle eigene Erkundungen über vermeintlich auffällige Elemente einzuholen. 

Selbiges gilt für die Einschätzung des Gefahrenpotentials und die daraus resultierenden Konsequenzen. 

Die folgenden Erklärungen dienen der Glaubhaftmachung warum die Aufnahme der Eulen in den behördlichen Apparat unausweichlich ist.

Gleichwohl wird – auch für den Schutz des neuen Bundesamts – Nachtamt  keine Behörde vorgeschaltet; weder als Kontrollgremium noch als weisungsbefugte Instanz. Die Eulen agieren selbstregulierend und auf eigene Weisung

Die Ideenhaftigkeit des Nachtamts


Die Infiltration der Eulen-Bewegung hat zunächst keine eindeutigen oder verwertbaren Resultate hervorgebracht. 

Die Aktionen der Eulen schienen sich vordergründig auf bloße geistige Aktivitäten zu beschränken. 

Tagelange Observationen haben lediglich einige verwirrende autodeskriptive Formulierungen hervorgebracht:

Die Eulen sind eine zur Bewegung heranreifende Gruppierung aus Individualisten, die sich in den unterschiedlichsten Bereichen wie  Musik, Visualisierung und Performance verwirklichen wollen. 

Den Eulen war es immer wichtig, sich von Vorurteilen und verkrusteten Stereotypien zu lösen.


“ Das Fremde annehmen, das Eigene anbieten“


Umso erschreckender empfanden sie die Nägel der Borniertheit, die sie bei jeder Landung in der Republik zu spüren bekamen. 

Eine klar gezogene Linie zwischen Ost und West schien jegliche Bewegungsfreiheit einzuschränken. Die Gruppe der Eulen entschloss sich, dagegen klar Position zu beziehen und ihrem Protest prägnant Ausdruck zu verleihen. 

Dabei ist es entscheidend, dass auf scheinbar allgemeinen Weltanschauungen basierende Denkstrukturen einer eigenverantwortlichen Sichtweise weichen sollten. 

Die Vielfalt der Schattierungen und Ignoranz derselben in breiten Feldern der Öffentlichkeit trieben die Eulen dazu, ihre Heimat zu verlassen und sich auf die Suche nach unorganisierten Freidenkern und schaffenden Geistern zu machen. In diesem lokalen und geistigen Exil treffen die Eulen auf Gleichgesinnte, aber auch auf Widrigkeiten, die sie mit Offenheit und gleichzeitigem gesunden Argwohn begegnen.

Der Ursprung der Eulen ist das Leben selbst. 


Im Fokus der Eulen steht neben der Offenlegung politischer Missstände und dem allgemeinen politischen Engagement, die Integration zumeist abgegrenzter subkultureller Formen des Denkens.

Die Zusammenführung von verschiedenen Subkulturen unter dem Motto „MUSIC IS OKAY“ spiegelt sich in unseren Gefühlen, welche nie durch Monotonie und Engstirnigkeit geprägt sind, sondern immer der Vielfalt der musikalischen und künstlerischen Ambitionen erlegen ist. Neues und Unbekanntes soll ins Blickfeld gerückt werden. Es ist schier undenkbar, die Kreativität auf ein spezielles Gebiet einzuschränken. Ihre Entfaltungsmöglichkeiten sehen wir immer im Verbund der Gemeinschaft.

Satzung des Nachtamts

§1 Die Eulen sind:

eine künstlerisch freiheitliche Bewegung im Exil, geboren aus den mütterlichen Falten dieser Erde. Sie begeben sich in vorhandene Nester, brechen die Rinde der Dogmen auf und gestalten Neues in Symbiose mit Erfahrenem.

§4 Die Eulen fressen: 

graue Mäuse der Belanglosigkeit und desinteressierte Konsum-Nager.

§2 Die Eulen stehen: 

gar nicht auf Vorurteile, autoritär-hierarchische Schwarz-Weiß-Malereien, sei es in Kultur, Kunst oder Politik.



§5 Die Eulen feiern: 

nächtliche Offenbarungen durch lebendige Rhythmen, zwielichtige Klangwelten und positionsbezogenes Stampfen, das in seiner Wucht dem Urknall gleichkommt.

§3 Die Eulen fliegen:  

auf eine von Toleranz und kritischer Betrachtung geprägte Subkultur, die ihrem Daseinsrecht Gehör verschafft.


Die offensichtlich entautomatisierte Sprachgestaltung der Satzung ist wesentlicher Bestandtei der ideologischen Grundüberlegung